17. Jahrhundert - Betrüger und Spekulanten

Betrüger und Fehlspekulationen sind so alt, wie die Börse selbst, und das 17. Jahrhundert war kennzeichnend dafür.

Was steckt hinter einem Betrug? Der Wunsch, mehr zu besitzen – zumindest ist dies der Grund, warum an der Börse bereits im 17. Jahrhundert Betrüge stattfanden. Der bekannteste Fall war der Tulpencrash. In der Zeit zwischen 1633 und 1637 kam es in Holland zu diesem folgenschweren Spektakel:

Die Tulpe, ein orientalisches Liliengewächs, wurde nach Holland gebracht. Vorher hatte sie sich großen Ansehens erfreut, allerdings gelangen den Holländern Kreuzungen, sodass die Tulpe farbenfroher wurde, bis sie ein Kultobjekt war. Züchter stürzten sich auf dieses Objekt der Begierde. Allerdings gab es ein großes Problem: Die Zwiebeln der Tulpe waren rar. Und das Wirtschaftsrad hat genauso funktioniert, wie heutzutage: Erhöht sich die Nachfrage – und auf die Tulpenzwiebel erhöhten sich diese unverhältnismäßig – sinkt das Angebot. Was folgt? Die Tulpenzwiebel wurde teurer und teurer. Ganze Brauereien wurden für eine Tulpenzwiebel verkauft – solche Relationen kann man sich heutzutage nicht mehr vorstellen. So wertvoll war ein Zwiebelchen dieses besonderen Gewächses.

Versteigerungen der Zwiebeln wurden eingeführt, ein Tulpengesetz entstand, was besagte, dass die Beschädigung der Zwiebeln strafbar sei. Neben den Aktien, die an der Börse gehandelt wurden, wurden auch die Tulpenzwiebeln gehandelt. Spekulanten mussten die gehandelten Tulpenzwiebeln erst „bestellen“, also die jetzt gekauften Zwiebeln wurden erst in einigen Monaten geliefert. In der Wartezeit vermehrte sich das Kapital der Käufer, weil die Preise anstiegen. Hat ein Käufer eine Tulpenzwiebel für 1.000 Gulden gekauft, konnte diese wenige Monate später das Doppelte wert sein.

Als einige wenige Spekulanten plötzlich Angst hatten, Verluste einzufahren und immer mehr Tulpenzwiebeln verkauft wurden, löste das einen Verkaufsboom aus. Das Angebot erhöhte sich, die Nachfrage war gesunken – die Folge: Verluste in unermesslichen Höhen, weil nun die Angst den Markt beherrschte.
Von solchen Fällen war die Börse im 17. Jahrhundert geprägt.